Robert Koch

und seine geniale Entdeckungen!

 

Eine Infektionskrankheit im Körper eines Menschen kann man grob gesehen mit der Verseuchung eines Gartens durch Insekten vergleichen. Dieser Verseuchung ist leichter zu beseitigen, wenn die Art des Insekts, das den Schaden verursacht hat, identifiziert werden kann.

Der deutsche Arzt Robert Koch vervollständigte das so wichtige Verfahren, das zur Bestimmung und Isolierung einer für eine Krankheit verantwortliche Mikrobe führt. 1876 gelang es Koch den Milzbrand-Bazillus zu entdecken.

Wie kam es zu dieser Entdeckung?

Im Jahr 1872 ließ sich der junge, 1843 in Clausthal geborene, Arzt Robert Koch im Städtchen Wollstein bei Posen als Kreisphysikus nieder. Er hatte zunächst Naturwissenschaften studiert, dann auf Medizin umgesattelt und betrieb so nebenbei bakteriologische Studien.

Im Jahr 1873 führte der Landrat seinen Kreisphysikus in den Wald, wo ein Hirsch gerade verendet war. Am schwarzen Blut des Hirsches erkannte Koch sofort, das dieser an Milzbrand gestorben war. Da er stets Gläser und kleine Schachteln bei sich hatte, nahm er eine Probe des Hirschblutes, die er zu Hause unter seinem neuerworbenen Mikroskop betrachtete. Er sah dicke, glashelle, große Stäbchen und fadenförmige Gebilde, die stellenweise zu Knäueln ineinander verschlungen waren. Bei vielen weiteren Fällen von Milzbrand, konnte Robert Koch stets die gleichen Gebilde im Blut erkennen. Daraufhin untersuchte er gesundes Tierblut. Hier waren jedoch keine besonderen Gebilde feststellbar. Jetzt strich er einer gesunden weißen Maus einen Tropfen Milzbrandtierblut in eine frische Wunde ein. Am nächsten Tag war die Maus tot. Ihre Milz war angeschwollen, das Blut schwarz und voller gewohnter Gebilde (Stäbchen, Knäuel, Perlenfäden). Jetzt wollte Koch die Stäbchen wachsen sehen. Dazu nahm er einen Objektträger, dessen Mitte muldenförmig ausgehöhlt war, umstrich die Mulde mit Vaseline. Er gab ein Tröpfchen Milzbrandbazillen auf ein dünnes Glasplättchen, drückte dieses umgedreht in die Vaseline, so dass der Tropfen vom Deckglas in die Mulde des Objektträgers hing, luftdicht abgeschlossen, vom Zutritt anderer Keime abgeriegelt. (Diese Methode gehört im übrigen heute noch zum Bestand bakteriologischer Untersuchungsverfahren). Koch konnte nun feststellen, das die Stäbchen sich streckten, teilten und schnell vermehrten, sie "lebten" also.

Er baute sich einen Brutschrank und züchtete eine Reinkultur von Milzbrandbazillen. Hiermit impfte er verschiedene Kleintiere, welche alle an Milzbrand erkrankten. Aber wie kam die Übertragung des Milzbrandes in der Natur zustande?

An einem alten, eingetrockneten Präparat, welches er nach einiger Zeit wieder zur Hand nahm, entdeckte er perlartige Gebilde. Auf diese träufelte er Kuhaugenwasser, und konnte nun feststellen, das sich Milzbrandbakterien Sporen (d.h. Dauerformen) entwickelten. Diese entstehen nicht im Innern des Tieres, sondern aus den mit den Entleerungen der Tiere ausgeschiedenen Bazillen. Die Sporen übertragen in der freien Natur den Milzbrand.

Nun machte Koch sich an die Untersuchung über Wundinfektionen und die Wirkung von septischen Zuständen. Mit Hilfe eines Beleuchtungsapparates, der Ölimmersionslinse und geeigneter Färbung konnte Koch auch hier Bakterien im Blut der Erkrankten feststellen.

1880 wurde Koch zum ordentlichen Mitglied des Kaiserlichen Gesundheitsamtes zu Berlin berufen. Hier konnte er unter weitaus besseren Bedingungen als in seinem bisherigen Labor arbeiten.

Im August 1881 begann Koch mit der Bekämpfung der Tuberkulose, auch Schwindsucht genannt. Er war fest davon überzeugt, dass die Krankheit von Mensch zu Mensch übertragen wird. Er versuchte zum einen, den Erreger durch Tierversuche nachzuweisen, oder direkt unter dem Mikroskop. Koch versuchte durch alle möglichen Färbungen, Temperaturen, Säuren, Bazillen sichtbar zu machen, fand aber nichts. Er mischte Konzentrate, vermischte, übergoss Präparate und endlich fand er was er suchte! Dünne, spindelförmige Bazillen mit Krümmungen und Windungen strahlend blau gefärbt.

War das der Tuberkelbazillus ?

Wenn ja, musste er in jedem Stadium der Krankheit zu finden sein. Um weitere Feststellungen treffen zu können, untersuchte er in der Folgezeit das Blut aller an Tuberkulose verstorbenen Personen. Als nächstes begann er mit der Reinzüchtung der Bazillen außerhalb des Körpers. Ähnlich wie bei den Milzbranderregern vergingen auch hier einige Wochen, bis es zu positiven Ergebnissen kam. Endlich konnte er die dünnen, spindelförmigen Bazillen, leicht gekrümmt und gewunden in strahlendem Blau unter dem Mikroskop erkennen. Um herauszufinden, wie eine Ansteckung mit Tuberkulose erfolgen kann, baute Koch einen Kasten, setzte Versuchstiere hinein und blies ein Spray mit tuberkulösen Stoffen in den Käfig. Alle Tiere erkrankten an Schwindsucht. Das er selbst nicht infiziert wurde war schon ein Wunder. So war der eine der Ansteckungswege erkannt: "Die Einatmung von Tröpfchen, die mit Tuberkelbazillen beladen war".

Im August 1883 wurde Koch zum Leiter der deutschen Choleraexpedition nach Ägypten ernannt. Die Cholera war dort Anfang Juni ausgebrochen. Zwölf britische Ärzte hatten bereits vergeblich versucht, diese zu bekämpfen. Sofort nach seiner Ankunft begann Koch frische Choleraleichen zu sezieren, und fand in der Darmwand kommaförmige Bazillen. Im Darminhalt von Erkrankten und Leichen fanden sie immer den gleichen Bazillus, züchteten Reinkulturen, konnten jedoch niemals die Versuchstiere künstlich infizieren. Innerhalb weniger Wochen erlosch die Seuche, jedoch aus unbekannten Gründen. Daher verlagerte man das Laboratorium nach Indien, um das Rätsel weiter zu lösen. Hier waren die Krankenhäuser von Cholerakranken überfüllt. Koch sezierte Leichen und untersuchte Kranke, und fand auch hier massenweise den kurzen, kommaförmigen Bazillus. Der letzte Beweis jedoch, der Tierversuch gelang auch hier nicht. Zufällig erfuhr Koch von zahlreichen an Cholera erkrankten Personen, die um einen kleinen sumpfigen Teich wohnten. Er konnte beobachten, das in diesem Teich gebadet, Wäsche gewaschen und Wasser geholt wurde. Somit war der Infektionsweg klar. Die geeigneten Nährböden für den Choleraerreger auch gefunden. Er liebt die Feuchtigkeit und hat keine Wiederstandfähigkeit gegen desinfizierende Mittel.

Im April 1884 traten die Ärzte die Heimreise aus Bombay an, nachdem es gelungen war, die Cholera aufzudecken und eine erfolgreiche Bekämpfung anzubahnen.

Wo immer Seuchengefahr bestand oder drohte, holte man Robert Koch.

1886 wurde er zur Bekämpfung der Rinderpest nach Afrika gerufen. Er stellte fest, dass der Infektionsstoff im Blut und in der Galle der erkrankten Tiere zu finden war. Er kombinierte: Rinderpestblut + Serum genesener Tiere. Das wurde den kranken Rindern eingespritzt. Gesunde Tiere bekamen zur Immunisierung 10ccm Rinderpestgalle unter die Haut gespritzt. So konnten Millionen Rinder gerettet werden.

Während der Bekämpfung der Rinderpest, brach in Indien die Menschenpest aus. Als Robert Koch im Mai 1897 dort eintraf, hatten seine Schüler schon die Hauptarbeit geleistet. Man fand heraus, dass die Pest von den Ratten übertragen wird. Die pestkranken Ratten suchen Schutz in Häusern und sterben dort. Infizierte Rattenflöhe verlassen die Rattenleichen und springen auf die Menschen über, die sie beim Stich infizieren.

Koch reiste wieder zurück nach Afrika, studierte Rinder- und Pferdeleichen und klärte ihre Herkunft auf.

Im gleichen Jahr begann er mit der Erforschung der Malaria, die Jahrtausende als Sumpffieber galt, das mit den Ausdünstungen in den Menschen eindringt und ihn krank machen kann. Zahlreiche Forscher haben hier ihre Tatkraft eingesetzt und auch Robert Koch hat sich an der Aufklärung beteiligt, das die Malaria nur durch den Stich bestimmter Moskitos auf den Menschen übertragen wird.

Koch legte großen Wert auf die Bekämpfung der Malaria mit Chinin (ein aus der Rinde des Cinchorabaumes gewonnenes Mittel). Und zwar müssten nicht nur die an Malariaerkrankten mit Chinin behandelt werden, sondern die Infektionen durch Chiningaben frühzeitig verhindert werden. Somit gelang es ihm, der Malaria Herr zu werden.

Durch eine zu große und häufige Einnahme von Chinin kann es jedoch zu Schwarzwasserfieber. Koch gab zur Eindämmung dieser Krankheit eine neue Behandlungsmethode mit nur kleinsten, regelmäßigen Chinindosen an.

Wieder in Berlin, galt es nunmehr den im Ruhrgebiet ausgebrochenen Typhus zu bekämpfen.

Koch fand zwei wichtige Erregerquellen: das verunreinigte Trinkwasser und Bazillenträger. D.h., scheinbar Gesunde, die Typhusbazillen ausscheiden. Erstmalig wurde nun nach seinen Vorschlägen die Seuche systematisch bekämpft.

Robert Koch wurde niemals müßig. Es gab immer und überall irgendwelche Seuchen und Infektionen zu bekämpfen.

An 1. Oktober 1904 trat Robert Koch 60-jährig in den Ruhestand. Er gab die Leitung seines Institutes für Infektionskrankheiten (später Robert-Koch-Institut) an seinen Lieblingsschüler Georg Gaffky als Nachfolger ab.

Am 27. Dezember des gleichen Jahres zog es ihn wieder nach Afrika. Hier studierte er das Küstenfieber der Rinder, das afrikanische Rückfallfieber und die Trypanosomenkrankheiten. Als Überträger des Afrikanischen Rückfallfiebers erkannte Koch bald eine Zeckenart. Sie hauste mit Vorliebe in den Hütten der Eingeborenen und auf den Karawanenstraßen. Er konnte die Entwicklung der in der Zecke gefundenen Spirochaeten (spiralförmige gewundene Fäden) verfolgen und das Krankheitsbild klarstellen.

Anschließend untersuchte er wieder Rinder und klärte, welche an Küstenfieber und welche an Texasfieber erkrankt waren.

Ende Oktober 1905 kam Koch wieder nach Berlin, um dann in Stockholm den Nobelpreis für Medizin in Empfang zu nehmen.

Und schon war er wieder unterwegs nach Afrika, zur Erforschung der afrikanischen Schlafkrankheit. Er konnte bereits nachgewiesene Befunde bestätigen, dass die Krankheit durch einen Stich der Tsetsefliege übertragen wird. Koch widmete sich vor allem der Behandlung und Bekämpfung der Schlafkrankheit. Er setzte zur Abtötung des Erregers im Menschen das Arsenpräparat Atoxyl ein, was jedoch bei 1,5% der Behandelten zur Erblindung führte. Außerdem setzte er auf die Vernichtung der Tsetsefliege durch Abholzen der Bäume.

Während seiner Tätigkeit erhielt er die Nachricht, dass zur Bekämpfung der Tuberkulose eine Robert-Koch-Stiftung ins Leben gerufen werde. Hierfür wurden in kurzer Zeit 1 Million Mark gespendet.

Am 4. November 1907 kehrte Robert Koch nach Berlin zurück. Er wurde mit Ehrungen überschüttet. Von März 1908 bis ende Oktober 1908 erfüllte er sich einen Traum und machte eine Weltreise. Nach der Rückkehr widmete er sich wieder seiner Tuberkuloseforschung.

Im April 1910 erkrankte Koch an einem schweren Anfall von Herzschwäche. Am Abend des 27. Mai 1910 verstarb er friedlich. Das Ende eines Lebens für die Menschheit und die Wissenschaft.

 

Zusammengefasst von Denise Graetz

Zurück zur Übersicht